Die Nebenkosten beim Hauskauf in der Schweiz variieren je nach Kanton zwischen 0,3% und über 5% des Kaufpreises. Acht Kantone (ZH, ZG, SZ, UR, GL, SH, AG, TI) erheben keine Handänderungssteuer. Am günstigsten ist Schwyz — am teuersten Genf mit bis zu 5,5% Gesamtkosten bei einem Kaufpreis von CHF 1 Million.
Wer eine Immobilie in der Schweiz kauft, zahlt neben dem Kaufpreis eine ganze Reihe von Nebenkosten. Diese werden oft unterschätzt, können aber je nach Kanton einen erheblichen Betrag ausmachen. Die grössten Kostenpunkte sind die Handänderungssteuer, die Notariatsgebühren, die Grundbuchgebühren und die Kosten für den Schuldbrief. Dieser Ratgeber zeigt, welche Kosten in welchem Kanton anfallen und wie Sie sparen können.
Was sind Nebenkosten beim Hauskauf?
Beim Kauf einer Liegenschaft fallen in der Schweiz verschiedene Nebenkosten an, die zusätzlich zum Kaufpreis bezahlt werden müssen. Die wichtigsten Positionen im Überblick:
- ●Handänderungssteuer: Eine kantonale Steuer, die beim Eigentümerwechsel einer Liegenschaft fällig wird. In einigen Kantonen beträgt sie bis zu 3,3%, in anderen ist sie vollständig abgeschafft. Sie wird je nach Kanton vom Käufer, vom Verkäufer oder von beiden hälftig getragen.
- ●Notariatsgebühren: Die öffentliche Beurkundung des Kaufvertrags ist in der Schweiz obligatorisch. Die Kosten variieren stark: In Kantonen mit Amtsnotariat (z.B. Zürich) sind sie tief und staatlich festgelegt, in Kantonen mit freiem Notariat (z.B. Genf, Waadt) werden sie frei verhandelt und können deutlich höher ausfallen.
- ●Grundbuchgebühren: Das Grundbuchamt erhebt eine Gebühr für den Eintrag des neuen Eigentümers. Diese liegt typischerweise bei 0,1–0,3% des Kaufpreises und ist in den meisten Kantonen moderat.
- ●Schuldbrief / Grundpfandrecht: Wird die Liegenschaft mit einer Hypothek finanziert, muss ein Schuldbrief errichtet oder ein bestehender übertragen werden. Die Kosten hängen vom Kanton und der Höhe des Schuldbriefs ab — und können in bestimmten Kantonen erheblich sein.
Nicht zu den Kaufnebenkosten zählen die Maklerprovision (zahlt in der Schweiz üblicherweise der Verkäufer), Umzugskosten und Renovationsaufwand. Die Gesamtübersicht zum Hauskauf behandelt auch diese Themen.
Kantonaler Vergleich: Die grosse Tabelle
Die folgende Übersicht zeigt die Kaufnebenkosten für die zehn wichtigsten Kantone bei einem Kaufpreis von CHF 1 Million. Die Unterschiede sind frappant: Während Sie in Zürich mit rund CHF 3'500 rechnen müssen, können es in Genf über CHF 53'000 sein — ein Faktor 15.
Quellen: SSK (Schweizerische Steuerkonferenz), November 2022; kantonale Steuerämter. Angaben ohne Gewähr.
Die Tabelle zeigt: Wer im gleichen Preissegment kauft, zahlt in Genf rund 15-mal mehr Nebenkosten als in Zürich. Auch innerhalb eines Kantons können die Kosten variieren — etwa bei kommunalen Zuschlägen (SG) oder je nachdem, ob es sich um Selbstnutzung oder Anlage handelt (BE, BS). Es lohnt sich deshalb, die genauen Konditionen beim zuständigen Grundbuchamt oder Notar im Voraus abzuklären.
Amtsnotariat vs. freies Notariat
Ein wesentlicher Kostenfaktor, der häufig übersehen wird, ist das Notariatssystem des jeweiligen Kantons. In der Schweiz existieren drei Modelle nebeneinander, und die Preisunterschiede sind enorm.
Amtsnotariat: In den Kantonen Zürich und Schaffhausen beurkunden staatliche Beamte die Kaufverträge. Die Gebühren sind im kantonalen Notariatsgesetz festgelegt und vergleichsweise tief. Für einen Kaufvertrag über CHF 1 Million bezahlen Sie in Zürich rund CHF 1'000 — das ist der tiefste Wert schweizweit.
Freies Notariat: In den Kantonen Bern, Genf, Waadt und Tessin arbeiten Notare als unabhängige Privatunternehmer. Ihre Honorare sind zwar an kantonale Tarife gebunden, fallen aber deutlich höher aus. In Genf kosten Beurkundung und Abwicklung eines Kaufs über CHF 1 Million schnell CHF 5'000 bis 9'000 — das Fünf- bis Neunfache des Zürcher Preises.
Mischsysteme: Die meisten übrigen Kantone kennen ein Mischsystem mit beiden Notariatsformen. Hier lohnt sich ein Vergleich besonders, weil die Gebühren je nach gewähltem Notar stark schwanken können.
Eine Studie des Preisüberwachers hat die Unterschiede deutlich gemacht: Bei einem identischen Kaufvertrag über CHF 1 Million betragen die Notariatskosten in Zürich rund CHF 1'000, in Genf hingegen CHF 5'000 bis 9'000. Diese Differenz allein kann den Unterschied zwischen einem günstigen und einem teuren Kanton ausmachen. Wer im Kanton Waadt oder Genf kauft, sollte Notarofferten einholen und vergleichen — auch wenn der Spielraum durch die kantonalen Tarife begrenzt ist.
Schuldbrief: Die versteckte Kostenfalle
Wer eine Hypothek aufnimmt, benötigt einen Schuldbrief (Grundpfandrecht), der im Grundbuch eingetragen wird. Seit der Revision des Immobiliarsachenrechts 2012 gibt es in der Schweiz zwei Formen: den klassischen Papier-Schuldbrief und den Register-Schuldbrief. Letzterer existiert nur als elektronischer Eintrag im Grundbuch und ist in der Errichtung günstiger, da keine physische Urkunde ausgestellt werden muss.
Die Kosten für einen neuen Schuldbrief liegen in den meisten Kantonen bei 0,1–0,3% der Pfandsumme. Bei einer Hypothek von CHF 800'000 sind das CHF 800 bis 2'400 — ein überschaubarer Betrag. Doch Vorsicht: In bestimmten Kantonen wird es deutlich teurer.
Genf als Extrembeispiel: Der Kanton Genf erhebt auf die Errichtung einer Cédule hypothécaire (Schuldbrief) sogenannte droits d'enregistrement von 1,365%. Bei einer Hypothek von CHF 800'000 entspricht das allein CHF 10'920 — eine Summe, die vielen Käufern nicht bewusst ist und die Gesamtnebenkosten in Genf auf über 5% treibt.
Der wichtigste Tipp: Prüfen Sie beim Kauf, ob auf der Liegenschaft bereits ein Schuldbrief existiert. Wenn ja, kann dieser in vielen Fällen vom Verkäufer übernommen oder an die finanzierende Bank abgetreten werden. Das spart die Errichtungskosten vollständig. Gerade in Genf kann die Übernahme eines bestehenden Schuldbriefs Tausende von Franken sparen. Fragen Sie Ihren Makler oder Notar frühzeitig danach.
Rechenbeispiel: CHF 1 Million in Zürich vs. Genf
Um die kantonalen Unterschiede greifbar zu machen, vergleichen wir den Kauf einer identischen Liegenschaft für CHF 1 Million mit einer Hypothek von CHF 800'000 in den beiden Extremkantonen:
Zürich (ZH)
- Handänderungssteuer: CHF 0
- Grundbuchgebühr: ~CHF 1'500
- Notariatsgebühr: ~CHF 1'000
- Schuldbrief (0,1%): ~CHF 800
- Diverse Gebühren: ~CHF 200
- Total: ~CHF 3'500 (0,35%)
Genf (GE)
- Handänderungssteuer (3%): CHF 30'000
- Grundbuchgebühr (0,25%): ~CHF 2'500
- Notariatsgebühr: ~CHF 7'000
- Schuldbrief (1,365%): ~CHF 10'920
- Diverse Gebühren: ~CHF 2'500
- Total: ~CHF 52'920 (5,3%)
Differenz: CHF 49'420 — das entspricht fast dem Doppelten einer üblichen Maklerprovision von 2–3%.
Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, dass die Wahl des Standorts nicht nur den Immobilienpreis, sondern auch die Transaktionskosten massiv beeinflusst. Wer in der Westschweiz kauft, muss die Nebenkosten zwingend in die Finanzierungsplanung einbeziehen. In Genf kommen zu einem Kaufpreis von CHF 1 Million noch über CHF 50'000 hinzu — Geld, das beim Eigenkapital berücksichtigt werden muss.
Tipps zur Kostenoptimierung
Auch wenn die kantonalen Steuersätze festgelegt sind, gibt es Spielraum, um die Nebenkosten zu reduzieren:
- ●Bestehenden Schuldbrief übernehmen: Prüfen Sie, ob auf der Liegenschaft bereits ein Schuldbrief eingetragen ist. Die Übernahme oder Abtretung an die neue Bank ist deutlich günstiger als die Neuerrichtung — besonders in Genf (Ersparnis bis CHF 10'000+).
- ●Freibeträge nutzen (Bern): Im Kanton Bern gilt bei Selbstnutzung ein Freibetrag von CHF 800'000 auf die Handänderungssteuer. Bei einem Kaufpreis von CHF 1 Million fällt die Steuer nur auf CHF 200'000 an — das spart CHF 14'400.
- ●Selbstnutzung deklarieren (Basel-Stadt): In Basel-Stadt wird die Handänderungssteuer bei Selbstnutzung von 3,0% auf 1,5% halbiert. Bei CHF 1 Million bedeutet das eine Ersparnis von CHF 15'000.
- ●Casatax-Programm prüfen (Genf): Der Kanton Genf bietet mit dem Casatax-Programm unter bestimmten Voraussetzungen eine Reduktion der Handänderungssteuer für Erstkäufer. Die Bedingungen sind streng, aber die Ersparnis kann mehrere Tausend Franken betragen.
- ●Notarkosten im Voraus anfragen: In Kantonen mit freiem Notariat lohnt es sich, mehrere Offerten einzuholen. Die Preise können variieren, auch wenn der Spielraum durch kantonale Tarife begrenzt ist. Fragen Sie gezielt nach Pauschalangeboten.
- ●Register-Schuldbrief wählen: Seit 2012 können Schuldbriefe als reine Grundbucheinträge (ohne Papier) errichtet werden. Das ist günstiger und einfacher bei einem späteren Bankenwechsel.
Generell gilt: Lassen Sie sich vor dem Kauf eine detaillierte Nebenkostenaufstellung vom Notar oder Grundbuchamt erstellen. Ein erfahrener Makler kennt die kantonalen Besonderheiten und kann Sie frühzeitig auf Sparmöglichkeiten hinweisen. Die mögliche Abschaffung des Eigenmietwerts könnte die Gesamtrechnung eines Hauskaufs in Zukunft zusätzlich beeinflussen.
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